UNTERSUCHUNGSVERFAHREN
Untersuchung folgt der Fragestellung.
Welche Untersuchungsverfahren eingesetzt werden, richtet sich nach der konkreten Fragestellung und den am Brandort gewonnenen Erkenntnissen.
Nicht das verfügbare Verfahren bestimmt die Untersuchung – die Fragestellung bestimmt das geeignete Verfahren.
WEITER↓01
BRANDORTUNTERSUCHUNG
Der Brandort ist die primäre Erkenntnisquelle.
Die Untersuchung beginnt – soweit dies noch möglich ist – am Brandort. Festgestellt und dokumentiert werden die für die Aufgabenstellung bedeutsamen räumlichen Verhältnisse, Brand- und Schadenbilder, Veränderungen an Bauteilen und technischen Einrichtungen sowie sonstige erkennbare Spuren und Befunde.
Ein Befund erhält seine Bedeutung aus seinem Zusammenhang mit dem Brandereignis.
WEITER↓02
DOKUMENTATION
Festhalten, bevor sich der Zustand verändert.
Der Brandort ist kein unveränderlicher Untersuchungsgegenstand. Die Dokumentation dient deshalb dazu, relevante Befunde und ihre räumlichen Zusammenhänge nachvollziehbar festzuhalten. Je nach Aufgabenstellung können hierzu Fotografie, Video, Vermessung, Skizzen und Pläne, Beschreibung und Lagezuordnung gehören.
WEITER↓03
ASSERVIERUNG
Vom Brandort zum Untersuchungsobjekt
Kann ein Befund am Brandort nicht abschließend untersucht werden, können Gegenstände oder Proben gesichert und einer weitergehenden Untersuchung zugeführt werden. Mit der Entnahme darf jedoch der ursprüngliche Zusammenhang nicht verloren gehen.
Das Asservat ist nicht nur ein Gegenstand – es ist Teil eines Befundzusammenhangs.
WEITER↓04
MIKROSKOPIE
Wenn der makroskopische Befund nicht ausreicht.
Mikroskopische Untersuchungen können Strukturen und Veränderungen sichtbar machen, die mit bloßem Auge nicht oder nicht hinreichend beurteilt werden können. Das Untersuchungsergebnis ist anschließend wieder in den Zusammenhang der übrigen Befunde einzuordnen.
Die Vergrößerung eines Befundes vergrößert nicht automatisch seine Aussagekraft.
WEITER↓05
LABORUNTERSUCHUNG
Eine Analyse beantwortet eine konkrete Frage.
Laboruntersuchungen können erforderlich sein, wenn Eigenschaften, Zusammensetzung oder Veränderungen eines Stoffes oder Bauteils für die Beurteilung des Brandereignisses von Bedeutung sind. Ein Analyseergebnis ist zunächst ein Untersuchungsergebnis. Seine Bedeutung ergibt sich erst aus der fachlichen Einordnung in den Gesamtzusammenhang.
WEITER↓06
TECHNISCHE UND ELEKTRISCHE BEFUNDE
Technische Einrichtungen als Untersuchungsgegenstand
Elektrische Anlagen und Betriebsmittel sowie andere technische Einrichtungen können durch das Brandereignis beschädigt worden sein, den Brandverlauf beeinflusst haben oder für die Brandentstehung von Bedeutung sein. Die Untersuchung muss deshalb zwischen brandursächlichen Vorgängen und brandbedingten Veränderungen unterscheiden.
WEITER↓07
INGENIEURWISSENSCHAFTLICHE UNTERSUCHUNG
Technische Zusammenhänge untersuchen
Soweit es die Fragestellung erfordert, können ingenieurwissenschaftliche Untersuchungen einbezogen werden. Gegenstand können beispielsweise Wärmeübertragung, thermische Beanspruchung, Baustoff- und Bauteilverhalten, Konstruktionen, technische Anlagen sowie Strömungs- und Ventilationsbedingungen sein.
Berechnet wird nicht, was berechenbar ist, sondern was für die Fragestellung von Bedeutung ist.
WEITER↓08
REKONSTRUKTION
Vergangenes Geschehen aus vorhandenen Erkenntnissen erschließen
Rekonstruktion bedeutet in der Brandermittlung nicht, das ursprüngliche Brandereignis vollständig wiederherzustellen. Vielmehr werden die verfügbaren Tatsachen, Befunde und Untersuchungsergebnisse zusammengeführt, um Abläufe und technisch-naturwissenschaftliche Zusammenhänge soweit wie möglich zu erschließen.
Eine Rekonstruktion kann nur so vollständig sein wie die Erkenntnisgrundlage, auf der sie beruht.
WEITER↓09
BRANDVERSUCH
Eine Hypothese experimentell untersuchen
Brandversuche können eingesetzt werden, um einzelne Vorgänge oder technisch-naturwissenschaftliche Fragestellungen unter definierten Bedingungen zu untersuchen. Entscheidend ist, dass vor dem Versuch klar ist, welche Frage beantwortet oder welche Hypothese geprüft werden soll.
Reproduzierbar ist der Versuch – nicht das vergangene Ereignis.
WEITER↓10
RECHNERGESTÜTZTE SIMULATION
Ein Modell zur Untersuchung von Zusammenhängen
Rechnergestützte Simulationen können eingesetzt werden, um ausgewählte physikalische Vorgänge und deren Abhängigkeit von definierten Randbedingungen zu untersuchen. Die Aussagekraft hängt wesentlich von Modellen, Eingangsgrößen, Randbedingungen und Annahmen ab.
Eine Simulation ist ein Modell – nicht das Brandereignis.
WEITER↓11
ZUSAMMENFÜHRUNG DER ERGEBNISSE
Einzelergebnis und Gesamtbefund
Brandortuntersuchung, Mikroskopie, Laboranalyse, Berechnung, Versuch oder Simulation können jeweils einzelne Erkenntnisse liefern. Die Ergebnisse müssen mit den übrigen Tatsachen und Befunden des Brandereignisses zusammengeführt und auf ihre gegenseitige Vereinbarkeit geprüft werden.
Die Aussagekraft eines Untersuchungsergebnisses entsteht aus seiner Einordnung in den Gesamtzusammenhang.
WEITER↓12
GRENZEN DER UNTERSUCHUNG
Nicht jede offene Frage lässt sich durch weitere Untersuchung beantworten.
Zusätzliche Untersuchungen sind dann sinnvoll, wenn von ihnen ein Erkenntnisgewinn für die konkrete Fragestellung zu erwarten ist. Fehlen die erforderlichen Ausgangsdaten oder sind entscheidende Befunde nicht mehr vorhanden, kann auch ein technisch aufwendiges Verfahren diese Erkenntnislücke nicht zwangsläufig schließen.
Mehr Untersuchung bedeutet nicht automatisch mehr Erkenntnis.
→SACHVERSTÄNDIGER






